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400 Jahre Kloster

Einladung zum Klosterfest und Tag der offenen Türen

Programm
10.30 Uhr: Einfacher Gottesdienst mit Harfenklängen in der Pfarrkirche mit Festpredigt
von Bruder Agnell Lüthi, dem letzten Guardian des Kapuzinerklosters Sursee

11.30 Uhr: Apéro im Kloster für Gottesdienstbesucherinnen und -besucher
sowie die ganze Bevölkerung

ab 14.00 Uhr: Offenes Kloster – Klosterfest
mit «Klosterbeizli», Begegnungen, Führungen und «Klosterladen»

«Das Kloster Sursee gestern – heute – morgen»
Führungen durch Klosterkirche, Innerer Chor, Kreuzgang, Refektorium,
ehemaliger Zellentrakt mit Sekretariat der Erwachsenenbildung,
FrauenRäume, Musikschule und Klostergarten

Führungen durch das europäisch einzigartige Kapuzinermuseum von Sursee:
«Auf den Spuren der Minderen Brüder und Schwestern
nach den Regeln des heiligen Franziskus»

Im Klostergarten lädt die Mädchenpfadi Kinder zwischen 8 und 14 Jahren ein:
Parcours mit Feuer, Luft und Wasser zum Sonnengesang des Franz von Assisi

15.00 Uhr: Gang durchs Labyrinth, eine kleine Meditation
·
17.00 Uhr: Tagesabschluss mit einer Vesper in der Klosterkirche.
In der katholischen Kirche wird die Vesper (Abendlob) in hohen Ehren gehalten.
Die Tradition der Kapuziner kennt für die Vesper keine Instrumentalmusik.
Sie konzentriert sich auf Psalmen und Canticum aus dem Alten Testament
sowie auf Hymnus, Responsorium, Magnificat, Vater unser und Marienlied.

 

  «Heute würde der heilige Franziskus in eine Dreizimmerwohnung ziehen»

Mit einem verbindenden Fest wurde am Sonntag, 22. Oktober, «400 Jahre Kloster Sursee» gefeiert. Mit einem franziskanischen Gottesdienst wur- de das Fest eröffnet und das Interesse am Kloster Sursee war gross. Viele genossen auch den sonnigen Herbststag im einmaligen Klostergarten.

«Das Leben im Kloster Sursee ist ein einmaliges Modell», meinte Festprediger Bruder Agnell Lüthi und wies darauf hin, dass die jetzige Nutzung, Begegnung, Bildung und Wohnen eigentlich sehr dem heiligen Franziskus entsprechen. Als letzter Guardian des Kapuzinerklosters Sursee erinnerte er sich noch gut an den Abschied. «Immer wieder sind es die Abschiede gewesen, die auch Neues ermöglichten», meinte Bruder Agnell Lüthi. Es scheine ihm, dass es auch dem Kloster Sursee, dank der Pfarrei Sursee, die die Chance nutzte und diese Begegnungsstätte schuf, so erging.

Auch eine Chance

Agnell Lüthi wies in seinen engagierten Worten darauf hin, dass es eigentlich nie im Sinne des Heiligen Franziskus gewesen sei, dass sich die Brüder in Klöster zurückziehen: «Die franziskanischen Brüder sind Pilger und Fremdlinge, ihr Ort ist unter und bei den Menschen. Heute würde der Heilige Franz mit zwei Brüdern in einem Wohnblock in eine Dreizimmerwohnung ziehen.» In diesem Sinne sei die Aufhebung der Klös-ter auch für sie als Brüder eine Chance, sich wieder vermehrt an den Ursprung zurückzubesinnen. Die engagierten und überzeugenden Worte des Festpredigers machten den Besucherinnen und Besuchern Eindruck und waren auch am Apéro noch bei einigen Thema.

Unterricht genossen

«Meine Gesangsschülerinnen liessen sich nicht beirren, als plötzlich über dreissig Leute im Zimmer standen», meinte Ruth Bättig. Sie und weitere Musiklehrerinnen und Musiklehrer boten eigens zum Klosterrundgang Gesangs- und Musikunterricht und die Schülerinnen und Schüler schienen diesen besonderen Unterricht zu geniessen. Die Gäste waren aber auch geladen, sich in den Frauenräumen oder im Klosterkaffee Zeit für Begegnungen zu nehmen. Stadträtin Ruth Balmer und Kirchenratspräsident Willi Nick nutzten dies und unterhielten sich in den Frauenräumen angeregt über das Kulturleben in Sursee.

Unzählige Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, das Kloster von innen zu sehen und die heutige Nutzung zu erfahren. Während sich die einen auf einem Rundgang durch das Klos-ter die abgeschlossenen Renovationsarbeiten und die Nutzung der Räume erläutern liessen, besuchten die andern das europäisch einzigartige Kapuzinermuseum im Dachstock des Klosters.

Festprediger Agnell Lüthi war ein gefragter Gast. Fotos: Werner Mathis  
   
 
Zahlreiche Besucherinnen und Besucher fanden sich zum Apéro vor dem Kloster ein.  
   
 
Das Interesse an den Führungen durch das Klostermuseum war gross.  
 
     

«Sie sollen einen Pater nach Sursee schicken...»

Stadtpräsident Rudolf Amrein erklärte: «In der Zeit der Reformen der katholischen Kirche und der Gegenreformation war der Surseer Rat und die Bürgerschaft von Sursee entschlossen, in Sursee «ein Clösterlin und Kilch» zu errichten. In Sursee selber habe zu dieser Zeit ein scharfer gegenreformatorischer Wind geweht. So wachten die Stadtväter streng über Ordnung und Sitten sowie über die 'Rechtgläubigkeit' der Einwohner. So ist es verständlich, dass Sursee 1603 eine Delegation zu den Kapuzinern schickte. Sie sollen doch einen Pater nach Sursee schicken, um den Bauplatz zu bestimmen. So wurde es möglich, dass die Wanderbrüder, Einsiedler und Volksprediger in Sursee ab 1606 Fuss fassen konnten. Die bärtigen Kuttenmänner standen dem Volk immer sehr nahe und haben sehr viel Segensreiches in unsere Region gebracht. Dafür sind Rat und Volk von Sursee und einer grossen Region den Kapuzinern sehr dankbar.»
Rudolf Amrein betonte, er freue sich, dass die Kirchgemeinde die ganze Liegenschaft des Klosters erwerben konnte und die Stadt Sursee mit ihrer Einmietung der Musikräume, der Erwachsenenbildung und der Frauenräume in das Kloster einen wichtigen Beitrag zur sinnvollen Nutzung des ehemaligen Klosters leisten könne. Besonders geschätzt werde auch die Nutzungsmöglichkeit des Klostergartens für das Alterszentrum. Neben dem Dank an die Klostergemeinschaft der Kapuziner wünschte der Stadtpräsident, dass der Geist der Kapuziner und die im Kloster innewohnende Seele weiterhin segensreich wirken können.

Abendlob

Auch die Einladung der Mädchenpfadi, sich auf den Parcours zum Sonnengesang des Franz von Assisi, mit Feuer, Luft und Wasser einzulassen oder ein Gang mit Meditation durchs Labyrinth entgegen, kamen bei den Besucherinnen und Besuchern gut an, denn sie boten Gelegenheit, Ruhe und Stille zu geniessen. Zum Abschluss des Tages luden die beiden Brüder Agnell Lüthi und Cupertin Huber, Pfarrer Thomas Sidler und Christian Schweizer, Provinzarchivar, zu einer Vesper in der Klosterkirche. Das Abendlob zum Kirchweihfest, ganz der Tradition der Kapuziner mit Gebet und Gesang, aber ohne Instrumentalmusik, gab dem einmaligen Festtag einen schlichten und würdigen Abschluss. Pfarrer Thomas Sidler unterstrich dies in der Betrachtung. «Ich sah das neue Sursee» mit den Worten «Dank für diesen festlichen Tag, Dank für das Zusammenarbeiten, Lernen und Leben im Kloster, Dank für die Gespräche und Begegnungen.»

Werner Mathis

 


 

Neues Leben im Kloster - die heutige Nutzung

Am 9. März 1998 beschloss die außerordentliche Kirchgemeindeversammlung das Kapuzinerkloster zu kaufen. Die Rechte und Pflichten gingen per 1. September gleichen Jahres an die Kirchgemeinde Sursee über.
Die Umnutzung der Gebäude erfolgte in zwei Bauetappen. In der ersten Etappe 1998/1999 wurde mit Ausrichtung des neuen Nutzungskonzeptes eine sanfte Innenrenovation mit dem Einbau einer Hauswartwohnung in Angriff genommen. In der zweiten Etappe 2004 / 2005 wurde die Aussensanierung vollzogen. Es wurden Dach, Fenster und Jalousieläden saniert, der Verputz der Fassade erneuert, Umgebung und Parkplatz neu gestaltet und das Kreuz auf dem Vorplatz restauriert. Im September 2005 konnten die Sanierungsarbeiten mit der Einpflanzung einer Linde und der Einsegnung des Labyrinths abgeschlossen werden.
Die Kirchgemeinde Sursee will das Kloster in erster Linie für kirchlich-religiöse, soziale und kulturelle Zwecke nutzen und ein offenes Haus für Begegnung, Bildung und Besinnung bieten.

  • Der Klostergarten ist an die Stadt Sursee vermietet. Die Stadt stellt den Klostergarten der Bevölkerung von Sursee als Begegnungs- und Erholungsraum zur Verfügung.
  • Im Erdgeschoss können verschiedene Räume, mit der nötigen Infrastruktur ausgerüstet, von kirchlichen Vereinen und Organisationen benutzt werden. Die Räume eignen sich für Seminare, Klausurtagungen, Sitzungen für Dritte und können gemietet werden. Für grössere Anlässe kann das Refektorium (keine Kochgelegenheit) gemietet werden.
  • Wiederkehrende kirchliche Nutzungen der Klosterkirche sind; Italienergottes-dienste, Sonntagsfeiern für Primarschulklassen, voreucharistische Gottesdienste, Schülergottesdienste, Religionsstunden nach Bedarf, regelmässige Proben für Kirchen- und Jugendchor.
  • Im 1. und 2. Obergeschoss sind die Übungszimmer der städtischen Musikschule, FrauenRäume mit Büro und das Büro Erwachsenenbildung vermietet. Zwei weitere Büros sind an Unternehmer vermietet. Die Wohnung des Klosterwartes befindet sich im 2. Obergeschoss. In den oberen Etagen befindet sich die wertvolle Konventbibliothek.
Im Dachstock des Konventgebäudes und der Kirche ist das Museumsgut der Schweizer Kapuzinerprovinz untergebracht.

 

Kapuziner - Die Minderen Brüder

Franziskus fasst sein Ideal so zusammen: "Dies ist das Leben der Brüder: Der Lehre und dem Beispiel unseres Herrn zu folgen, der sagt: Willst du vollkommen sein, so verkaufe alles, was du hast und gib den Erlös den Armen. Dann komme und folge mir."
Franziskus und seine Brüder ziehen durch die Welt, ohne Schutz und Sicherheit, denn Jesus verlangt, dass seine Jünger die Botschaft des Friedens mit leeren Händen verkünden - allen Geschöpfen und bis an die Grenzen der Erde.
Da die Brüder mit den eigenen Händen arbeiteten, sorglos und bettelarm umherzogen, zerstrittene Städte miteinander versöhnten, sich der Armen und Aussätzigen annahmen, mit schlichten Worten zum Umdenken aufriefen und nachts an einsamen Orten beteten, erinnerten sie die Menschen an Jesus selbst und seinen Freundeskreis. Nicht der Weltenherrscher Christus, den das Mittelalter in seinen Kathedralen verehrte, sondern der arme Jesus mit seiner befreienden Botschaft und seinem einfachen Leben mitten im Volk wurde zum Modell für den Orden der Minderen Brüder und Schwestern.
In Franziskus, dem Dichter des Sonnengesangs, erkennen heute die verschiedensten Kulturen einen solidarischen Bruder, der den Weg zu Frieden und Gemeinschaft unter den Menschen aller Religionen und Weltanschauungen weist.
Drei Gelübde gelten als Zusammenfassung der so genannten Evangelischen Räte, wie sie in der biblischen Bergpredigt von Jesus selbst empfohlen werden:
 
Gehorsam – Bruder im aufeinander Hören
Armut – Bruder im miteinander Teilen
Ohne Frau und Kinder – Bruder vieler Menschen
(Quelle: www.kapuziner.org)


 

Helvetia Franciscana 35/1 (2006)

Kloster für Stadt und Amt. 400 Jahre Kloster Sursee 1606-2006.  Von der Kapuzinermission zum geistigen Zentrum. Herausgegeben von Christian Schweizer und Stefan Röllin. Luzern, Provinzialat Schweizer Kapuziner, 2006,  196 S., ill.  /  Illustrationsbeilage: Der Franziskus-Zyklus des Beat Jakob Bachmann im Kloster Sursee. Luzern, Provinzialat Schweizer Kapuziner, 2006, 36 S. - ISSN 1661-7703 - CHF 20.00.

Bestellung bei:
Provinzarchiv Schweizer Kapuziner, Wesemlinstr. 42, CH-6006 Luzern
redaktion(at)hfch.ch oder provinzarchiv(at)kapuziner.ch
Website: www.hfch.ch   ;  www.kapuziner.ch/pal

Inhalt
Für das 1998 von Kapuzinern aufgegebene Kloster Sursee wurde vor 400 Jahren am 5. August der Grundstein gelegt. Dies wird von der heutigen Besitzerin des Klosters, der katholischen Kirchgemeinde Sursee, gefeiert. Die erfolgte Vortragsreihe vom März 2006  liegt nun in gedruckter Form vor und bildet den Inhalt in der vorliegenden Nummer der Helvetia Franciscana: Christian Schweizer (Provinzarchivar Schweizer Kapuziner Luzern) über  das Kloster als Missionsstation Sursee mit ihrem Seelsorgegebiet in und um Sursee ; Hanspeter Marti (Bibliothekswissenschafter aus Engi GL) über Das geistliche Arsenal, die Konventbibliothek des Kapuzinerklosters Sursee bildet; Stefan Röllin (Stadtarchivar Sursee) über Die Stadt Sursee und ihr Kloster, gleichbedeutend für Eine wechselvolle Beziehung während fast 400 Jahren; von Niklaus Kuster OFMCap (Schweizer Kapuziner) vorgestellt wird Der Franziskus-Zyklus im Kloster Sursee des Beat Jakob Bachmann aus dem 17. Jahrhundert, gewürdigt als eine Bildbiographie der Barockzeit im Dienst der Kapuzinerseelsorge und der Kirchenreform. Dazu dient eine erstmals publizierte farbige Illustrationsbeilage mit den 34 Tafeln, wie sie noch heute im Kreuzgang des Klosters zu bewundern sind. Zusätzlich bietet sich ein Blick durchs  Zeitfenster in die heutige Situation mit dem Artikel von Walter Rölli (Kirchgemeindeschreiber) über Die Kirchgemeinde Sursee und ihr Kloster; geschildert wird Der Umgang mit dem Kapuzinererbe und dessen Nutzung im 21. Jahrhundert als geistiges Zentrum für Pfarrei, Stadt und Amt Sursee. Fazit der Kirchgemeinde: "Kirche, Franziskus-Zyklus, Konventbibliothek und Museum (...) sind wie eine verbindende Brücke der Beziehungen zum Kapuzinerorden zu betrachten" (Rölli, S. 195).

 

Im Kloster leben, arbeiten, die Freizeit verbringen

Was es heute heisst im Kloster zu leben, zu arbeiten oder die Feizeit zu verbringen, darüber erzählen Menschen im Pfarreiblatt Sursee. Auch heute noch sind die Erinnerungen an die Zeit, als das Kloster noch von Kapuzinern bewohnt war, überaus präsent.

«Den Klostergarten geniessen und nutzen».
Hobbygärtnerin Margrit Hügi und Hobbygärtner Josef Arnold

«Ich bin sehr stolz, dass ich das Hochbeet selber bearbeiten kann», erklärt Margrit Hügi. Fast jeden Abend, wenn es das Wetter zulässt, geniesst sie ihren Aufenthalt im Klostergarten. Aber das ist auch mit Arbeit verbunden, denn sie pflegt ihr Gartenbeet ganz alleine, obwohl sie auf den Rollstuhl angewiesen ist. «Sehr froh bin ich, dass seit der Aussenrenovation auch das Kloster und die Umgebung rollstuhlgängig sind», fügt Margrit Hügi bei.

«Es gefällt mir sehr, hier meinen kleinen Garten zu pflegen».
Josef Arnold

Dass sich der Garten als Erholungsraum anbietet, davon kann auch Josef Arnold berichten. Auch er ist oft da anzutreffen, denn sein Gemüsegarten ist etwas umfangreicher. «Es gefällt mir sehr, hier meinen kleinen Garten zu pflegen.» Ab und zu verschenkt er auch einen Salatkopf oder etwas Gemüse, vor allem dann, wenn es so «wüchsig» ist wie in diesem Sommer.

«Sehr froh bin ich, dass seit der Aussenrenovation auch das Kloster und die Umgebung rollstuhlgängig sind». Margrit Hügi

Die Erhaltung und vielseitige Nutzung des Klostergartens ist eine der Zielsetzungen, die beim Kauf des Klosters durch die Kirchgemeinde definiert wurden. Dies entspricht Margrit Hügi und Josef Arnold. «Wir pflegen auch mit den Besucherinnen und Besuchern des Gartens einen guten Kontakt und es entstehen immer spannende Gespräche», betont Josef Arnold. Margrit Hügi gefällt auch das Leben im Kloster, sie geniesst es, ab und zu einen Anlass zu besuchen und ist zudem Stammgast im «Chelekafi».

Vom Labyrinth und den «Frauenräumen» begeistert ist Musiklehrerin Muriel Zemp

«So wie das Kloster sich heute präsentiert, gefällt es mir. Besonders begeistert bin ich vom Labyrinth, es bietet mir oft die Möglichkeit, Ruhe zu finden», erklärt Muriel Zemp, Lehrerin an der Musikschule. Sie ist aber nicht nur beruflich viel im Kloster, auch in der Freizeit ist sie aktive Besucherin der Frauenräume. Als Dirigentin des Frauchenchors «Donne Cantabile» leitete Muriel Zemp auch schon Konzerte in der Klos-terkirche. «Obwohl ich das Kloster vorher nicht kannte, erinnern noch einige Räume, wie das Refektorium an die langjährige Männeroberhand.»

«Einen wichtigen Beitrag zum guten Zusammenleben im Klos-ter leistet der Klosterwart Roland Kaufmann mit seiner Familie». Muriel Zemp

Von der Vielfalt des Lebens im Kloster ist Muriel Zemp beiindruckt. «Das Zusammenleben von vielen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen beeidruckt mich immer wieder von Neuem», meint sie und ist überzeugt: «Einen wichtigen und entscheidenden Beitrag zum Leben im Kloster leistet Roland Kaufmann, Klosterwart mit seiner Familie. Er ist immer bereit und hat schon in mancher Schwierigkeit geholfen.»

Für die Familie des Klosterwartes ist das Wohnen im Kloster nicht immer nur angenehm

«Das Kloster strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus, die ich auch zu geniessen versuche», meint Roland Kaufmann, Klosterwart seit der Neueröffnung. Er wohnt mit Ehefrau Monika und drei Kindern seit der Renovation im Klos-ter. Das Ehepaar ist für die Pflege und die Vermietung der Räume zuständig. Das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Mietern und Interessen ist eine Herausforderung geworden. Sogar Stadt und Kirche vertragen sich heute, nach 400 Jahren, im gleichen Hause.
Roland Kaufmann kannte das Kloster schon als Knabe. In der Nachbarschaft auf einem Bauernhof aufgewachsen, pflegte man den Kontakt mit den Brüdern: «Wir brachten jeweils Kuhmist für den Klostergarten, dafür konnten wir dann Gemüsesetzlinge mitnehmen», erinnert sich Roland Kaufmann.

«Wir erhalten oft Besuch von Kapuzinern. Ihre Geschichten und Erlebnisse bereichern mein Gesamtbild vom Klosterleben». Roland Kaufmann

Neu war die Situation für seine Ehefrau Monika Kaufmann. Anfänglich sei sie sich in dem grossen Haus oft etwas verloren vorgekommen. «Jetzt aber habe ich mich an die neue Aufgabe gewöhnt und kann auch den Garten geniessen», erklärt Monika Kaufmann. Und nicht nur das, Monika Kaufmann wirkt auch viel im Hintergrund und ganz besonders gelobt werden ihre wunderschönen Blumengestecke, immer passend zu Veranstaltungen und zur Jahreszeit.
Nicht immer so begeistert mit dem Wohnen im Kloster war Tochter Leandra. Anfänglich wich Leandra nicht von der Seite der Mutter, erinnert sich Monika Kaufmann. Sie hatte Angst, sich im grossen Haus zu verlieren. Auch heute noch hat das Wohnen im Kloster nicht nur Vorteile: «Leider gibt es in diesem Quartier sehr wenig Kinder und so wohnen meine ‘Gspänli’ halt weiter weg», bedauert die 11-jährige Leandra. Zudem haben einige Kinder immer noch Hemmung, ins Kloster zu kommen.
«Leider gibt es in diesem Quartier sehr wenig Kinde und so wohnen meine Gspänli halt weiter weg». Leandra Kaufmann

Roland Kaufmann hat immer noch Kontakt mit den Kapuzinern, denn das einmalige Museum der Schweizer Kapuzinerprovinz, das im Dachgeschoss des Klosters untergebracht ist, sowie die Zentralbibliothek sind noch immer im Besitze des Ordens. Er organisiert heute die Führungen durch Kloster und Museum. Die braunen Väter sind stets wieder Gast für Beichtgespräche, die Franziskanische Gemeinschaft oder für das alljährliche Klostermahl. Doch das ist nicht der einzige Grund, der die Kapuziner nach wie vor nach Sursee zieht. «Wir erhalten oft Besuch von Kapuzinern. Ihre Geschichten und Erlebnisse bereichern mein Gesamtbild vom Klosterleben», weiss er zu berichten. Auch mit der jetzigen Nutzung sind die Kapuziner sehr zufrieden und Bruder Gottfried selig meinte sogar: «Das ist ja wunderbar geworden, in dieses Kloster würde ich gerne wieder einziehen.»

Dass der Familie des Klosterwarts kaum Ruhe gegönnt wird, zeigt auch der kurze Besuch. Obwohl eigentlich längst Feierabend wäre, das kurze Gespräch im Garten wird einige Male unterbrochen, einmal benötigt man einen Schlüssel, ein andermal eine Information – die Wahrnehmung von Muriel Zemp bestätigt sich auch da, Roland Kaufmann lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und kann auch hier weiterhelfen.

Werner Mathis


Kulturherbst’06

Das Jubiläum «400 Jahre Kloster» ist erfreulicherweise – zusammen mit «Sursee singt und klingt», Konzerten in Schenkon, Sursee, Nottwil und Knutwil, der Oberkircher Aktion «S’Theater goht z’Märt», Gastspielen im Stadttheater, der Eigenproduktion «EinBlicke» im Somehuus, den Soorser Comedy Täg, dem FestivalSursee, der Lesenacht in Nottwil und vielen offenen Ateliers und Ausstellungen – eingebettet in den Kulturherbst’06. Das dokumentiert einerseits die reiche kulturelle Vielfalt der Region und andererseits die Verankerung und Ausstrahlung des Klosters, sowohl gestern wie heute. Wir wünschen allen Veranstaltungen viel Beachtung und Erfolg. Weitere Informationen: ‹www.kulturregion.ch›.

 

Ein ungewöhnliches Buch:
Franz von Assisi für Ungläubige

Walter Ludin, Kapuziner, Theologe, Journalist, Kolumnen- und Glossenschreiber mit spitzer Feder – er stammt aus Grosswangen und besuchte in Sursee die Mittelschule – hat im Wegwarte Verlag ein ungewöhnliches Büchlein veröffentlicht. Es erzählt von Franz von Assisi, dem kleinen Mann aus Umbrien, der ein grosser Heiliger wurde, ein Grüner  der ersten Stunde, der zu seiner Zeit das Verhältnis zur Natur fundamental überdachte. Das Büchlein beschäftigt sich mit den Streitfragen der Kirche von gestern und heute und es erinnert, dass Kirche die Gesellschaft nach wie vor prägen könnte. Also doch ein religiöses Buch für fromme Leser? Auch!

Ungewöhnlich am Buch sind auch das Vorwort eines (ungläubigen) Verlegers und die Bilder:
Fernand Rausser, einer der grossen Fotografen, gründete mit 77 Jahren den kleinen Wegwarte Verlag und wurde „Jungverleger“. Er schreibt: „Franz war Realist, er stand mit beiden Füssen auf dem Boden – er hatte ein soziales Empfinden. Seine Barmherzigkeit führte ihn zu den Ärmsten der Armen, er umarmte sie, seine Beziehung zur Natur war beispielhaft. Selbst wir Ungläubigen lassen uns gerne von ihm verführen....“

Monique Friedling-Binaepfel bereichert das kleine Buch mit phantasievollen Stoffcollagen.

Das Büchlein ist in den Buchhandlungen erhältlich oder kann am Klosterfest vom
22. Oktober erworben werden.
Pfarrei Sursee © 2003 Katholische Kirchgemeinde Sursee